KI-Assistenten halluzinieren auch Microsoft Copilot? Chancen, Risiken und Tipps für den Alltag
Verstehen, warum Künstliche Intelligenz manchmal „halluziniert“ – und wie man damit sicher umgeht
Künstliche Intelligenz (KI) ist schon längst im Alltag angekommen – ob beim Chatten mit einem Kundenservice-Bot oder beim Einsatz von Microsoft Copilot in Word, Outlook oder Teams. Aber was steckt eigentlich dahinter? Und warum hört man immer wieder, dass KI manchmal „halluziniert“, also Dinge erfindet, die gar nicht stimmen? Dieser Blogbeitrag erklärt das Thema ganz einfach und gibt Tipps, wie jeder KI sicher nutzen kann.
Was bedeutet „Halluzination“ bei KI?
„Halluzination“ klingt erstmal nach Science-Fiction, ist aber ein ganz alltägliches Problem bei KI-Programmen. Gemeint ist, dass eine KI manchmal Antworten ausspuckt, die zwar überzeugend klingen, aber nicht stimmen. Zum Beispiel kann ein Chatbot alte Fakten nennen, weil er mit veralteten Daten trainiert wurde. Oder er erfindet Zahlen, weil er die echte Antwort gar nicht kennt. Das passiert, weil KI-Programme wie Copilot große Mengen an Texten und Daten verarbeiten – aber sie wissen nicht wirklich, was wahr oder falsch ist.
Typische Szenarien für halluzinierte Antworten
In welchen Situationen treten solche Halluzinationen nun besonders häufig auf? Erfahrungswerte und Berichte zeigen einige wiederkehrende Szenarien, in denen man verstärkt aufpassen muss:
- Fragen außerhalb des gelernten Wissens: Wird die KI nach sehr spezifischen Fakten gefragt, die nicht in ihren Trainingsdaten vorkommen (z.B. firmeninterne Details, sehr neue Erkenntnisse oder Nischenwissen), liefert sie oft trotzdem eine Antwort – diese ist dann aber erfunden. Beispiel: Eine Anfrage nach internen Kennzahlen oder einem kaum bekannten historischen Ereignis kann zu ausgedachten Zahlen oder falschen „Fakten“ führen. Das Modell hat schlicht keine Grundlage und rät, da es ungern gar nichts sagt.
- Aktuelle Ereignisse jenseits des Trainingshorizonts: Die meisten Modelle haben einen Wissensstand, der mit dem Ende ihres Trainingsdatums abbricht (z.B. Ende 2021 bei GPT-4). Fragt man nach Ereignissen, die danach passiert sind, fehlen die Informationen. Ohne Anbindung an aktuelle Daten kann die KI nur spekulieren. So wurden etwa neueste Entwicklungen oder Änderungen oft ignoriert oder falsch beantwortet, wenn sie nicht im Trainingsmaterial enthalten waren. Ein Chatbot könnte z.B. eine politische Entscheidung aus 2025 falsch darstellen oder behaupten, sie sei noch nicht gefallen, obwohl sie längst bekannt ist.
- Erfundene Quellen und Zitate: Besonders kritisch sind Fälle, in denen die KI Quellenangaben, Zitate oder Referenzen liefern soll. Sprachmodelle generieren dann gerne Ausgaben, die wie echte Quellen aussehen – mit Titeln, Autoren, Datumsangaben – doch in Wahrheit frei erfunden sind. Ein prominentes Beispiel ist ein Fall in New York, wo ein Anwalt ChatGPT für juristische Recherchen nutzte: Der von der KI erzeugte Schriftsatz enthielt mehrere Gerichtsurteile inklusive Aktenzeichen, die vollständig erfunden waren. Die KI hatte realistisch klingende Fallnamen wie „Petersen gegen Iran Air“ generiert, die jedoch in keiner Datenbank existierten. Solche Fake-Quellen sind schwer sofort zu erkennen und besonders gefährlich, weil sie auf den ersten Blick Vertrauen erwecken.
- Verwechslung ähnlicher Begriffe oder Personen: LLMs können Eigenschaften unterschiedlicher, aber ähnlicher Entitäten miteinander vermischen. Bei gleichnamigen Personen etwa kommt es vor, dass Lebenslauf-Stationen oder Errungenschaften vermengt werden. Fragt man z.B. nach „Dr. Thomas Meyer, dem Biologen“, könnte das Modell Teile aus dem Leben eines anderen Thomas Meyer (vielleicht eines Arztes oder Historikers) mit einfließen lassen. Solche Konfusionen entstehen, weil das Modell im Training viele ähnliche Informationen gesehen hat und diese nicht sauber trennen muss – es erstellt dann eine Art Komposit-Antwort, die keiner realen Person ganz entspricht.
- Lange Dialoge mit Kontextverlust: In sehr ausgedehnten Chats oder komplexen Antworten kann es passieren, dass das Modell den Überblick verliert. Sprachmodelle haben ein begrenztes Kontextfenster; wird dieses gesprengt, können frühere Details „vergessen“ werden. Dann antwortet die KI eventuell auf Basis eines unvollständigen Kontexts und erfindet fehlende Verknüpfungen. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn nach langer Konversation eine zuvor geklärte Tatsache plötzlich falsch wiedergegeben wird – ein Indiz dafür, dass der entsprechende Kontext nicht mehr präsent war und überschrieben wurde.
- Suggestivfragen und bestätigende Halluzination: Wie oben erwähnt, tendieren Modelle dazu, behauptete Prämissen in Fragen ungeprüft zu übernehmen. Fragt ein Nutzer: „Unser Produkt X hatte ja 2022 nur 5 % Marktanteil – woran lag das?“, liefert das Modell wahrscheinlich Gründe für den niedrigen Marktanteil, selbst wenn die Prämisse falsch ist (Produkt X hatte evtl. einen höheren Marktanteil). Das Modell halluziniert hier eine Erklärung, weil es annimmt, die 5 % seien korrekt, und es dem Nutzer entsprechen will. Dieses Szenario tritt oft auf, wenn die Fragestellung bereits eine implizite Behauptung enthält, die das Modell dann ungefiltert bestätigt.
- Code-Vervollständigung in unbekannten Kontexten: Bei generativer KI für Code (z.B. GitHub Copilot) zeigt sich ein ähnliches Phänomen: Das Modell schlägt manchmal Funktionen oder Klassen vor, die es gar nicht gibt, insbesondere wenn es den spezifischen API-Kontext nicht kennt. Es „kennt“ viele ähnliche Codestrukturen aus dem Training und kombiniert diese. Ein Entwickler könnte etwa gefragt werden, eine bestimmte Bibliothek-Funktion aufzurufen, die plausibel klingt, aber nicht existiert. Hier halluziniert das Modell eine Lösung, die vom Prinzip her möglich wäre, jedoch in der Realität falsch ist.
Diese Beispiele machen deutlich, dass Halluzinationen in sehr verschiedenen Kontexten auftreten können – überall dort, wo das Modell unsicher ist oder die Anreize falsch gesetzt sind. Wichtig ist, solche Situationen erkennen zu können und entsprechend gegenzusteuern. Im nächsten Abschnitt betrachten wir daher, wie man halluzinierte Inhalte identifizieren kann.
Wie hilft Microsoft Copilot – und wo sind die Grenzen?
Microsoft Copilot ist ein KI-Assistent, der direkt in Office-Anwendungen eingebaut ist. Er kann zum Beispiel Texte zusammenfassen, E-Mails schreiben oder Termine finden. Das Besondere: Copilot arbeitet nicht nur mit seinem eigenen Wissen, sondern kann auch auf unternehmensinterne Daten zugreifen, wie Dokumente oder Mails. Dadurch werden die Antworten oft genauer.
Aber: Wenn Copilot keine passenden Infos findet, greift er wieder auf sein Grundwissen zurück – und das kann dann zu Fehlern führen. Deshalb gilt: Copilot ist eine riesige Hilfe, aber kein perfekter Alleswisser.
Copilot nutzt ein großes Sprachmodell und greift auf den Microsoft Graph zu, um unternehmensinterne Inhalte einzubeziehen. Diese Architektur wurde gerade mit dem Ziel entworfen, mehr Kontext und Faktenbasis bereitzustellen, um die Halluzinationsgefahr zu reduzieren. Praktisch läuft es so ab, dass Copilot z.B. bei einer Frage in Word oder Teams zuerst relevante Dokumente, E-Mails, Termine etc. sucht, diese Information in den Prompt des Modells einbettet und dann erst die generative KI antworten lässt. Durch dieses Grounding erhält die KI Hinweise aus den Daten, auf die der Nutzer tatsächlich Zugriff hat, und muss weniger raten. Dennoch ist auch Copilot nicht gefeit vor Halluzinationen – wenn etwa keine passenden Firmendaten gefunden werden, stützt sich das Modell auf sein allgemeines Training, was zu denselben Problemen führen kann wie ein gewöhnlicher Chatbot. Wichtig ist daher, Copilot-Ausgaben mit gesundem Menschenverstand zu betrachten.
Tipps für den sicheren Umgang mit KI im Alltag
- Immer gegenlesen! Wenn die KI einen Text schreibt oder zusammenfasst, prüfen Sie die Fakten. Stimmen Namen, Zahlen und Inhalte?
- Konkret fragen: Je klarer die Frage, desto besser die KI-Antwort. Geben Sie der KI möglichst viele Hinweise, worauf sie sich beziehen soll.
- Grenzen kennen: KI kann Fehler machen. Viele Programme zeigen sogar Warnungen an. Machen Sie sich bewusst, dass KI eine Hilfe ist, aber keine Garantie für Wahrheit.
- Fehler melden: Wenn Sie merken, dass die KI Unsinn erzählt, geben Sie Feedback. So helfen Sie, das System besser zu machen.
Fazit: KI clever nutzen – aber immer mitdenken!
Künstliche Intelligenz wie Microsoft Copilot kann den Büroalltag richtig erleichtern. Sie hilft beim Schreiben, Sortieren und Zusammenfassen. Aber: Sie ersetzt nicht das eigene Nachdenken. Wer KI nutzt, sollte immer selbst prüfen, was rauskommt. So bleibt die Kontrolle beim Menschen – und KI wird zum praktischen Assistenten, nicht zum „allwissenden Orakel“.
Vertrauen Sie auf die Technik, aber lesen Sie immer noch einmal drüber. Wer das beherzigt, kann die Vorteile von KI sicher und sinnvoll genießen.
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